Firdausis Vermächtnis und der Kamelkompass

Das Linden-Museum Stuttgart – ein Ort, an dem man viel Interessantes über fremde Kulturen lernen kann, ohne mit Menschen in Kontakt treten zu müssen.

Hervorragend besonders für introvertierte Menschen, so wie es einige unter uns gibt.

Bei meinem letzten Besuch habe ich gelernt, dass sich hinter jedem Ausstellungsstück eine Geschichte verbirgt, die es verdient, gehört zu werden. Wir waren als multikulturelle Gruppe unterwegs: die iranische, die syrische, die libanesische und die deutsche Kultur waren vertreten. Das Museum erwacht zum Leben, wenn man gemeinsam mit Menschen fremder Kulturen das Völkerkunde-Museum besucht.

Da läuft man durch ein Museum und jemandem fällt auf, dass eines der Ausstellungsstücke in der eigenen Heimatstadt gefunden wurde. Das ändert die Perspektive auf den Kompass in Form eines Kamels oder die Bronzeschale, die in der Vitrine steht. Es fühlt sich real an und nicht mehr so weit weg von einem selbst. Besonders, wenn man die Geschichte dazu kennt.

Das iranische Nationalepos Schahname

Mit Faszination erfüllt hat mich das Manuskript des iranischen Nationalepos Schahname, zu Deutsch etwa Buch der Könige, von dem Dichter Firdausi. Es ist ein Epos, das länger ist als die Ilias und die Odyssee zusammen und sechsmal so lang wie das Nibelungenlied. Kaum zu glauben, dass ich davon noch nie etwas gehört hatte.

Schahname
Foto: Felicia

Es ist ein literarisches Meisterwerk, das die persische Kultur grundlegend definiert und nachhaltig geprägt hat. Das sieht man in erster Linie daran, dass sich die persische Sprache im Vergleich zu damals nicht bedeutend verändert hat. Auch heutzutage kann jeder, der der persischen Sprache mächtig ist, die Erzählungen und Sagen des Dichters lesen und ohne Probleme verstehen.

Firdausi erzählt von der Entstehung der Zivilisation, von tugendhaften Helden, von prächtigen Königen.

So begeistert ich war, so nüchtern erschien mir die Aufmachung des sorgfältig geführten Manuskripts. Es ist relativ sparsam verziert und in Leder gebunden. Es ist nicht anders ausgestellt als eine gewöhnliche (wenn auch sehr alte) Bronzeschale. Fast unbedeutsam kam mir das kleine Buch vor.

Mir schlich sich ein Gedanke ein: Woran liegt es, dass dieses Buch der Könige verhältnismäßig so unbekannt ist?

An der Sprache und der arabischen Schrift kann es nicht liegen, es gibt Übersetzungen davon.

Es liegt wohl daran, dass die Kultur in dem ganzen Lärm nicht gehört wird. Aufstände, Gewalt und das wichtige Gerede mächtiger Politiker scheinen lauter zu sein als die Verse der Heldengeschichten.

Doch das ist nicht wahr. Viele Kriege wurden geführt und sind vergangen. Viele mächtige Herrscher haben ihre Macht letztendlich verloren. Das Vermächtnis Firdausis aber ist geblieben.

Kleiner Tipp für den nächsten Museumsbesuch: Es lohnt sich definitiv, die Geschichte hinter den Ausstellungsstücken zu erfahren. Vielleicht versteckt sich ja auch hinter dem Kamelkompass eine interessante Geschichte.

 

Ein Beitrag von: Felicia Boachie, Interkulturelles und soziales Tandemlernen, Sprachenzentrum, Wintersemester 17/18, im Rahmen des Kooperationsprojekts museumSurfing.

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