Haste was gesagt? – Eine Führung zur Kommunikation unter Tieren im Naturkundemuseum Stuttgart

Haben Fische eigentlich Ohren? Halten Elefanten Smalltalk? Fragen Pfauen höflich nach, wenn sie sich mit ihrer Angebeteten fortpflanzen möchten? Und inwiefern lügen die „Peruanischen Samtschrecken“, damit sie nicht gefressen werden?

Fragen über Fragen stellen wir uns, als wir am 2.2.2018 mit Geflüchteten aus dem Sprachpaten-Projekt das Naturkundemuseum im Rosensteinpark besuchen. Führerin und Biologin Cora stellt uns zunächst eine Gegenfrage: „Was glaubt ihr? Ist dieser Elefant echt?“, und deutet auf den riesigen, grauen Savannenbewohner in der Eingangshalle. Wir sind uns geschlossen unsicher, da sich an seinen aufgestellten Ohren bereits die graue Farbe löst. Doch mit dieser wurde der – wie Cora uns aufklärt – tatsächlich präparierte Elefant nach seinem Tod angepinselt, weil man in den 60ern die Meinung vertrat, dass man das Tier nur der allgemeinen, gesellschaftlichen Fehlannahme entsprechend ausstellen dürfe: vom Rüssel bis zum Schwanz in einheitlichem Grau. „Alle Tiere, die ihr hier seht, die Haare oder Fell haben, sind echt“, erklärt uns Cora. Und das sind ganz schön viele.

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c Elena Pagano

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ – Paul Watzlawick

Das Rosensteinmuseum ist gemäß den unterschiedlichen Lebensräumen der Tierwelt aufgebaut. Von den Ozeanbewohnern über die Könige der Lüfte bis hin zu den Waldwesen und jenen, die auf freier Wildbahn leben. Eines haben jedoch alle gemeinsam: sie kommunizieren unter- und miteinander. Ihre Kommunikation ist dabei in den meisten Fällen auf Primärbedürfnisse wie Fortpflanzung, Essensbeschaffung und Nicht-gefressen-Werden beschränkt. Fragen wie „Hey, wie geht’s dir heute?“ oder „Was sagst du zum gestrigen Wetter?“ gebe es laut Cora unter Tieren nicht. Der Mensch sei das einzige Geschöpf, das aufgrund seines sozialen Wesens Smalltalk führe. (Jedenfalls gibt es bisher noch keine Beispiele für nicht zielgerichtete Kommunikation bei Tieren, Anm. Redaktion).

Neben dem „Törööö“ eines Elefanten, dem Lachen eines Delfins oder dem Bellen eines Hundes gebe es noch einige mehr Wege der Kommunikation. Ob wir an jemandem oder etwas interessiert sind, Angst haben oder etwas lustig finden, zeigen wir nicht immer durch Worte. Mimik und Gestik würden von Tieren genauso genutzt und dargestellt wie von uns Menschen. So sei das übertriebene Zähnezeigen von Schimpansen zum Beispiel nicht wie häufig irrtümlich angenommen ein Zeichen von Belustigung, sondern viel mehr Ausdruck von Angst, so Cora. Neben Mimik und Gestik nutzen einzelne Tiere weitere Wege der Mitteilung und des Empfangs von Informationen. Elefanten kommunizieren zum Beispiel untereinander mithilfe von Infraschall. Dabei erzeugen sie Töne, die so tief sind, dass sie von uns Menschen nicht wahrgenommen werden können. Dieser Infraschall werde über die Erde weitergeleitet und erreiche so andere Artgenossen, die mehrere Kilometer entfernt sind.

Bitte, bitte friss mich nicht!

Um von anderen, stärkeren Tieren nicht gefressen zu werden, nutzen einige Tiere eine Form der Anpassung, genannt Mimikry. Dabei mimen diese Tiere ein anderes nach, das gefährliche Eigenschaften hat. So auch der SKORPIONDERKEINER IST: Er ist eine gewöhnliche, ungiftige peruanische Samtschrecke. Seinen Schwanz trägt er jedoch stets aufgestellt, sodass seine Form an einen gefährlichen Skorpion erinnert. In einem Terrarium finden wir sogar einen lebenden, den Cora den Mutigen unter uns auf die Hand setzt.

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Peruanische Samtschrecken c Elena Pagano

„Voulez-vous …“

Ein gutes Beispiel dafür, dass auch Tiere auf den Einen oder die Eine warten, stelle der Pfau dar. Anhand der Pracht oder nicht-Pracht seines Gefieders sei erkennbar, wie gut es ihm geht. Das sei auch ausschlaggebendes Kriterium für die Weibchen. Doch seine Pfauenfedern allein reichen nicht aus, um seine Angebetete rumzukriegen. Fast verzweifelt stolziere der Pfau vor einem Weibchen herum, dass erst nach einer Weile entscheide, ob er gut genug für es ist oder nicht.

„Die Natur muss gefühlt werden“- Alexander von Humboldt

Der Nachmittag im Naturkundemuseum war für die Geflüchteten wie auch für uns Muttersprachler ein gelungener Ausflug. Ich denke, dass ein Bewusstwerden über die Kommunikation ansich für jeden interessant und wichtig ist. Wie so oft können wir von Mutter Natur die wichtigsten Dinge lernen. Ein Ausflug ins Rosensteinmuseum stellt dabei eine wunderbare Möglichkeit dar, die eigene Faszination für die Natur (wieder) zu entdecken.

Ein großer Dank gilt auch Cora, die so aufgeschlossen all unsere Fragen beantwortet und uns ihre Begeisterung für die Biologie auf eine mitreißende Art und Weise vermittelt und mit auf den Weg gegeben hat!

Ein Beitrag von Elena Pagano, Sprachpaten, Universität Stuttgart, Wintersemester 17/18, im Rahmen des Kooperationsprojekts museumSurfing.

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